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To Rome With Bike – Etappe 6 – Kernöl, Eier und Schlüsseldienst 12. Juli 2013

Posted by impulse3 in Uncategorized.
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To Rome With Bike – Etappe 6 – Kernöl, Eier und Schlüsseldienst, Route: Mönichkirchen nach Kirchbach (655 km Gesamt)

BildAls ich aufwache, ist es noch recht düster. Da ich keinen Wecker gestellt habe, gehe ich erst davon aus, dass es noch zu früh ist. Ein knapper Blick aus verschlafenen Augen auf meine Uhr belehrt mich eines Besseren, es ist bereits 6 Uhr. Ich schaue aus dem Fenster und stelle mit Schrecken fest, dass es regnet. Und meine Fahrradklamotten hängen noch zum Trocknen draußen! Doch ich habe Glück, die Pensionbesitzerin ist zeitig aufgestanden und hat meine Sachen rechtzeitig gerettet. Dennoch will ich mich nicht recht freuen: Bei dem Gedanken daran, im Regen zu starten, überkommt mich eine gewisse Trägheit. Aber erstmal frühstücken und schauen, ob es nicht noch besser wird. Während des Frühstücks unterhalte ich mich mit meiner Gastgeberin und erfahre, dass sie früher selber oft aus Polen hierher in Urlaub gefahren sind und eines Jahres die Pension zum Verkauf stand. Sie hat sie dann gemeinsam mit ihrem Mann übernommen und komplett renoviert. Ich erfahre auch noch ein wenig über die Region und dass das Wasser im Ort bekannt für seine außergewöhnliche Qualität ist. Da ich mir immer früh meine Trink- und Reserveflaschen mit Leitungswasser fülle, kommt mir das natürlich wie gerufen.

Bereit zum Aufbruch werfe ich einen weiteren Blick gen Himmel und siehe da: es ist zwar weiterhin dicht bewölkt, aber Regen werfen diese Wolken erstmal keinen ab. Allerdings ist es ein wenig kälter als gestern, jedoch nicht so sehr, dass ich in Betracht ziehe, zusätzliche Kleidung anzuziehen. Da ich mich am höchsten Punkt der Umgebung befinde, geht es erst einmal abwärts. Und zwar richtig lange. Das ist natürlich angenehm einfach, die Sache hat nur einen Haken: das Gefälle ist so stark, dass ich ständig bremsen muss, um das Fahrrad mit den schweren Gepäcktaschen noch unter Kontrolle zu halten. Als ich 12 Kilometer weiter im nächsten Ort ankomme, sind meine Scheibenbremsen heißgelaufen und quietschen laut. Zum Glück wird es für diese Etappe die längste Schussfahrt bleiben. Den Rest des Tages fahre ich relativ ereignislos durch verschiedenste Dörfer. Ab und an zieht ein nettes Fotomotiv an mir vorüber, aber beim garstigen Himmel kommt keine Stimmung zum Bilder machen auf. Das Gelände tut sein Übriges dazu: entweder quäle ich mich mit 6-8 km/h einen Hügel hinauf oder ich schieße mit 45 Stundenkilometern einen solchen hinab – Anhalten macht da keinen Spaß. An einem Kreisverkehr verliere ich dann auch noch mangels Ausschilderung die EV9 und fahre nach Karte weiter. Den EV9 werde ich an diesem Tag nicht mehr wiederfinden, dafür muss ich ein längeres Stück auf einer Bundesstraße fahren, da es keinen anderen Weg in die gewünschte Richtung gibt. Bergab macht das Spaß, weil die Straße übersichtlich ist und man nicht so stark bremsen muss. Bergauf ist es ein mulmiges Gefühl, wenn sich LKWs an einem vorbeischieben, wobei man lobend sagen muss, dass diese wirklich alle mit gutem Abstand überholt haben.

BildPünktlich zur Mittagspause lässt sich nun auch die Sonne blicken, nachdem sich zuvor ein wolkenfreier Bereich langsam in meine Richtung vorgearbeitet hatte. Beim Schmaus auf einem Marktplatz werde ich von einem Greenpeace-Aktivisten angesprochen, um meine Mitwirkung zur Schaffung einer Schutzzone für den Nordpol zu erhalten. Ein löbliches Ansinnen. Und dabei gleich noch eine Dauerspende einzurichten. Na, ich hatte es ja schon erwartet. Ich sage ihm, dass ich generell nur Spenden über mir persönlich bekannte Personen abwickle. Er versucht noch schwach, mich trotzdem zu überzeugen, aber man merkt: er ist noch zu unerfahren dabei. So erhält der sympathische Kerl immerhin meine Unterschrift für den guten Zweck.

Weiter geht es den Raabtal-Radweg durch die Steiermark, der mich bis fast zu meinem Tagesziel führt. Man merkt, dass die Leute hier gut verdienen, fast alle Häuser sehen aus wie geschniegelt, Feuerwehren und Gemeindezentren sind hochmodern und generell sieht es sehr gepflegt aus. Und an jeder Ecke gibt es Schilder mit der Aufschrift: Kernöl und meistens steht noch drunter: Eier. Als ich schließlich an meinem Ziel für heute ankomme, Kirchbach, zeigt der Kilometerzähler eine große 101. Geplant waren 100 – also mal wieder eine Punktlandung. Ich fühle mich noch fit und überlege, doch noch 10-20 km weiterzufahren und aufs Geratewohl eine Unterkunft zu finden, jedoch rücken nun von den Bergen finstere Wolken heran und es grollt bereits. Also doch lieber auf Nummer sicher. Leider macht mein Handy heute zeitig schlapp und ich kann mich nicht zur vorausgesuchten Pension lotsen lassen. Also fahre ich einfach den Ort ab – und finde natürlich nix bis auf ein Hotel, was mir aber zu teuer aussieht. Ich fahre weiter in der Hoffnung auf ein „Pension“-Schild oder ähnliches, aber nichts taucht auf. Schon sehe ich den Ortsausgang und will notgedrungen weiterfahren, da entdecke ich an der letzten Einfahrt ein Schild „Zimmer 100m“. Erfreut folge ich dem Wegweiser bis zu einem großen Einfamilienhaus und klingle dort.

BildDie Dame, die mir öffnet, ist überaus freundlich und zeigt mir sogleich das freie Zimmer. Ach was sage ich – eine ganze Einliegerwohnung! Etwas scheu frage ich nach dem Preis und vernehme mit Freuden, dass es nur 25 € kosten soll. Während ich noch mein Fahrrad unterstelle und das Gepäck abbaue, bezieht sie flugs das Bett und bereitet sogar ein Kaffeetrinken vor! Dazu gibt es selbstgebackenen Kuchen – und Nachschlag. Wir unterhalten uns lange übers Fahrradfahren; sie selbst hat ein E-Bike und fährt damit regelmäßig in der Gegend umher, auch längere Strecken. Dabei sitzen wir draußen auf der Terrasse unter Weinranken mit üppigen Trauben. Die sogar köstlich schmecken, wie sie mir auf Nachfrage versichert. Dann geht der Regen los und wir verlagern unser Gespräch nach drinnen. Ich erfahre noch einiges über die verschiedenen Kürbiskernöle und ihre Herstellung, dann zieht sie sich zurück, damit ich mich ausruhen – und natürlich duschen! – kann. In der Duschkabine gibt es nur einen Hahn und das Wasser, was daraufhin aus dem Schlauch kommt, ist durchaus kalt. Verzweifelt wechsle ich auf die Wanne, die auch einen Duschkopf und zwei Regler hat und mich so mit dem ersehnten, wärmenden Nass verwöhnt. Beim Aussteigen bemerke ich einen Regler mit Temperaturskala neben der Duschkabine – er ist auf 20° gestellt. Wieder was gelernt ;)

Beim Waschen meiner Sachen bemerke ich einen Schlüssel im Trikot – den hatte ich beim Packen am Morgen in Mönichkirchen da reingesteckt, um ihn abzugeben! Ich ärgere mich über meine Vergesslichkeit und bereite alles für einen Brief vor, um den Schlüssel seiner rechtmäßigen Besitzerin wieder zuzuführen.

Als ich später noch einmal auf die Hausherrin treffe und sie frage, wo ich hier im Ort gut österreichisch Abendbrot essen könnte, bietet sie an, selbst etwas zu kochen und fragt mich, was es denn sein solle. Ich entscheide mich natürlich für Kaiserschmarrn, woraufhin sie erwidert, dass sie das auch vorgeschlagen hätte. Später sitze ich auf der Terrasse, wo es mittlerweile wieder trocken ist und esse eine große Portion köstlichen Kaiserschmarrn, begleitet von leckerem Kakao. Die noch angebotene Schwammerlsuppe passt nicht mehr rein, ich bin pappsatt. Ein guter Tag geht zu Ende.

Die Route ist hier zu finden http://www.bikemap.net/de/route/398517-route-du-sud/#/z5/46.46813,13.40332/Terrain

Text: +Matthias Niederhausen

via Wolfgang Niederhausen

Kommentare»

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