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To Rome With Bike – Etappe 7 – Auf ins Unbekannte 12. Juli 2013

Posted by impulse3 in Uncategorized.
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To Rome With Bike – Etappe 7 – Auf ins Unbekannte, Route: Kirchbach nach Celje (765 km)

aDiese Nacht schlafe ich nicht ganz so gut. Unter anderem hat sich gegen vier Uhr früh das Rolllattenrost am Bettrahmen vorbeigemogelt und ist an einer Stelle etwas abgestürzt. Zum Glück nichts Ernstes und ich kann es schnell beheben und weiter schlummern. Ich wache dann aber auch schon halb 6 auf und beschließe, dass weitere Schlafversuche zwecklos sind. Statt dessen fotografiere ich den Nebel, der sich spektakulär in einem Tal gesammelt hat.

Das Frühstück ist sehr reichhaltig. Obwohl ich normalerweise kein Freund von Mischbrot zum Frühstück bin, schmeckt dieses hier ganz vorzüglich und erhält von mir das Prädikat „frühstückstauglich“. Während des Essens unterhalte ich mich weiter mit meiner Gastgeberin über die Region und Fahrraderlebnisse. Zu den vereinbarten 25 Euro gebe ich noch ein ordentliches Trinkgeld. Als es Zeit ist, Abschied zu nehmen, winkt sie mir hinterher.

Zu Beginn führt mich die Route heute an die slowenische Grenze in der Nähe des lustig klingenden Ortes „Spielfeld“. Dafür muss ich mehr oder weniger nur geradeaus fahren. Die Straßen sind sehr gut ausgebaut und so komme ich flott voran. An der Grenze noch schnell eine Nachricht nach Hause abgesendet – in Slowenien geht ja meine drei.at-Karte nicht mehr und ich bin vom Internet abgeschnitten. Auf jeden Fall sind Straßen und Häuser hier in beträchtlich schlechterem Zustand als in der Steiermark. Dazu kommt ein – wie ich finde – lebensfeindliches Gelände, überall extrem steile Hügel. Hier möchte ich definitiv nicht wohnen, aber die ortsansässigen Weinbauern stört’s wohl nicht. Dafür ist direkt ab der Grenze ein geheimnisvoller Radweg „1“ ausgeschildert. Da die Richtung stimmt und man eigentlich nur nach Maribor kommen kann von der Grenze aus, folge ich dem Weg für’s erste. Zunächst ist er gut ausgeschildert, dann fehlen immer wieder mal Schilder und kurz vor Maribor verschwindet er ganz. Dafür ist jetzt Fahrradfahren auf der Straße verboten. 50m weiter hinten zweigt von der Straße ein Radweg ab. Ooookay… muss man nicht verstehen. Dank Navi und Trial-and-Error finde ich schließlich den Weg nach Maribor.

Erinnert sich noch jemand an die Episode mit meiner luftgetrockneten Radhose? Pflichtgemäß habe ich das Befestigungssystem verbessert, aber in Maribor versagt auch diese Variante. Ein aufmerksamer Familienvater mit Kinderwagen verhindert Schlimmeres, indem er mich unmittelbar auf das Malheur hinweist. In Zukunft also doppelte Befestigung. Ich werde weiterhin über meine Erfahrungen in dieser Richtung berichten ;)

BildAus Maribor finde ich erstaunlich einfach wieder heraus, nachdem ich im Stadtzentrum meine Vorräte ein wenig aufgefrischt habe. Parallel zur Autobahn verläuft eine gut nutzbare Route, die offensichtlich gerne von kostenbewußten LKW-Fahrern gefahren wird. Alles in allem ist es aber recht entspannt, bis auf nervigen Gegenwind. Meine gute Vorbereitung am Vorabend mit Notation der Durchfahrorte macht sich nun bezahlt (okay, vorher auch schon) und ich muss wenig anhalten zum Navigieren. Während der Fahrt fallen mir jedoch diverse, offenbar frische Roadkills auf: eine Katze, mehrere Vögel und – ein Reh. Nun fällt einem als Radfahrer wegen des Rechtsfahrens und der geringen Geschwindigkeit so etwas natürlich viel eher auf als im Auto, aber dennoch wird man schon nachdenklich, erinnert sich an die eigene Sterblichkeit und rückt unterbewusst noch weiter nach rechts…

Mittags mache ich mich wieder auf einem Marktplatz breit und zehre von meinen Vorräten. 15 Meter weiter lockt eine gut bestückte Eisdiele – ich werde natürlich schwach. Der Verkäufer bemerkt, dass ich deutsch spreche und berichtet mir von seiner Zeit in Deutschland, genauer in Chemnitz – ich spreche ihm mein Beileid aus – und Bayern. Da war er aber Pizzabäcker, 7 Jahre lang. Allerdings bekam er keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, also ist er wieder zurück. Ach und eigentlich ist er Mazedonier. Schon verrückt, wie es manche Leute umher treibt. Während dessen jagt ein kleiner Junge aufgeregt und lautstark einen Spatz um eine Skulptur – dem Vogel scheint es auch Spaß zu machen.

gDie Entspannung endet aber jäh an dem Punkt, wo es eine Bergkette zu überwinden gilt. Meine Route führt mich schon an der bedeutend flachsten Stelle hinüber, dennoch ist die Querung eine harte Prüfung für Geist und Körper. Ich komme mir nach Mönichkirchen zurückversetzt. Okay, es ist nicht so ein langer durchgehender Anstieg, aber 14% sind auch schon auf 200 Meter ätzend. Irgendwann ist auch dies geschafft. Ich komme in Celje an, der Bordcomputer zeigt 115 km. Geplant waren heute 110, also nicht schlecht, insbesondere angesichts der Irrungen. Die vorher rausgesuchten Unterkünfte finde ich, allerdings waren diese recht teuer und die Stadt gefällt mir nicht so sehr, dass ich den Aufpreis als gerechtfertigt sehe. Ich habe noch etwas Kraft und Vorräte, also suche ich zunächst noch am Stadtrand nach Privatzimmern. Da findet sich nichts, also fahre ich einfach weiter. Der Radweg wandelt sich zwischendurch in eine 10cm breite Spur über den Rasen, ich verziehe das Gesicht und hoffe, dass das ein schlechter Scherz ist. Zum Glück wird es bald wieder ein geteerter Weg. Im übernächsten Ort, Petrovce, werde ich dann fündig, ein Gebäude mit der Aufschrift “Hostel Caffe“ zieht mich an. Beim Näherkommen wirkt das Ambiente wie eine Strandbar auf Mallorca: laute Popmusik und Jugendliche mit albernen Sonnenbrillen sitzen draußen bei diversen Getränken. Ich gehe trotzdem rein und frage nach einem Zimmer, worauf die Kellnerin den Chef holt. Der zeigt mir das sehr saubere, kleine Zimmer und ich frage noch was es kostet. Er erwidert „fifty-two Euro“. Wohl ein Zahlendreher. „Sorry, how much?“ – „fifty-two“. Ich starre ihn entgeistert an. Da merkt er dann, dass er offenbar einen Fehler gemacht hat und korrigiert sich auf „twenty-five“. Einverstanden =)

BildIm Hostel gibt es nur begrenzt was zu essen, also besteht mein Abendbrot heute aus 3 Sandwiches mit Käse und Wurst. Erinnert mich irgendwie an LAN-Party und schmeckt ganz solide. Nun bin ich auf das morgige Frühstück für 3 Euro gespannt…

Die Route ist hier zu finden http://www.bikemap.net/de/route/398517-route-du-sud/#/z5/46.46813,13.40332/Terrain

Text: +Matthias Niederhausen

via Wolfgang Niederhausen

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