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To Rome With Bike – Etappe 11 – Ahhh, Venedig! 18. Juli 2013

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To Rome With Bike – Etappe 11 – Ahhh, Venedig! Route: San Michele al Tagliamento nach Venedig (1110 Km Gesamt)

aIm klimatisierten Zimmer – da soll nochmal einer sagen, Bauern wären technikfeindlich und rückständig – schläft es sich gut und ich bin 6 Uhr wieder munter. Ein Blick auf das Frühstücksbuffet enttäuscht mich, denn es stehen die gleichen Sachen wie schon gestern Abend da. Nur die Getränkemaschine ist jetzt in Betrieb, die hätte ich gerne gestern schon getestet. Ich bin übrigens der einzige, keine anderen Gäste, keiner vom Personal. Aber was soll’s, ich nehme erstmal einen Tee mit Zitrone. Was dann herauskommt, ist genau dieser Instant-Eistee, den man in heißem oder auch kaltem Wasser auflösen kann. Als ich die Tasse austrinke, ist unten drin noch Kristallzucker. Das ist selbst mir zu süß – und das will wirklich was heißen. Ich steige auf den Kakao um, der ist besser, aber auch mit Zuckerabsatz. Bei den Cafés ist das nicht der Fall, wie ich durch Stichprobe herausfinde. Aber eigentlich waren im Internet für das Frühstück „süße und herzhafte“ Speisen angekündigt. Die vorgepackten Croissants, Waffeln und Kuchen erfüllen diese Beschreibung meiner Meinung nach nicht ganz. Verzweifelt sättige ich mich mit Croissants und wer schon mal diese Fertigdinger hatte, weiß, dass die nicht besonders schmecken. Da es noch früh ist, nutze ich das Morgenlicht noch für ein paar Fotos. Als ich wieder in mein Zimmer zum Packen gehe, kommt ein Auto und es steigt jemand mit einem Tablett aus. Wie sich herausstellt, gibt es jetzt auch frische Croissants, mit einer Art Puddingcreme gefüllt. Eigentlich bin ich satt, probiere aber trotzdem. Wirklich nicht übel, aber halt zu spät. Ich wickle eines in Serviette und packe es nebst drei der bereits verpackten Küchlein zu meinen Vorräten.

BildDann geht es los, mein zeitigster Start überhaupt: 7:30 Uhr für die 70-10 km heute! Die Fahrt geht aber ähnlich unspektakulär weiter, wie sie gestern aufgehört hat. Lediglich einmal werden Bäume beschnitten, dazu wird der Verkehr wechselseitig gesperrt. Und obwohl ich bald auf eine „kleinere“ Straße ausweiche, wird die Verkehrslage nicht besser. Klar, es sind weniger Fahrzeuge, aber die Straße ist auch ein wenig enger und die Busse fallen nicht gerade durch besonders rücksichtsvolles Fahren auf. Aber vielleicht ist das nur mein deutsches Empfinden und für Italiener ist das keineswegs böse Absicht.

Ein Problem, worüber ich mir noch am Vorabend den Kopf zermartert hatte, ist die Kombination Fahrrad+Venedig. Eine Recherche fördert zutage, dass Radfahren auf der Insel verboten ist – okay, verständlich, aber kein Problem. Aber werde ich es schieben dürfen? Komme ich durch die Touristenmassen? Und nimmt mich die Fähre überhaupt mit? Die letzte Frage beschäftigt mich besonders und die Internetforen sind sich uneins. Offenbar sind die Regularien gelockert worden, es gibt sogar einen Radparkplatz auf Venedig, es ist allerdings wohl immer noch nicht „einfach so“ möglich mit der Fähre. Da meine Route mich über den Lido Jesolo führt, würde eine Abweisung am Dock einen Umweg von über 50km bedeuten. Die Gefahr ist mir zu groß und ich plane die „sichere“ Variante über Mestre. Dabei komme ich allerdings wieder auf die große Bundesstraße. Doof. Bis zur Stadt Jesolo kann ich jedenfalls noch beide Varianten machen, also schiebe ich die Entscheidung erstmal auf. Als ich an einem Geschäft für Fahrräder vorbeikomme, kommt mir die Idee: die Leute müssten es doch definitiv wissen! Ich halte also an und versuche, mich verständlich zu machen. Nachdem ich die Entfernung bis zum Hafen auch noch einmal unfreiwillig in Erfahrung gebracht habe, lerne ich ein neues Wort „barca“, und dass ich problemlos übersetzen kann. Also mit dem Schiff, nicht Italienisch-Deutsch. Super! Ich bin hocherfreut.

Weiter geht’s, aber nicht sehr weit, denn da lockt wieder so ein Stand mit frischen Früchten. Meine Hoffnung auf Pfirsiche wird allerdings zerschmettert, es gibt nur Gemüse und – Melonen. Und zwar so niedlich kleine. Entweder Galia- oder Honigmelone, ich kann die Namen irgendwie nicht auseinanderhalten. Eine kostet 90 Cent und ich nehme sie mit. Zum Mittagessen lasse ich die mir nebst des Croissants schmecken. Hier wieder einmal von unschätzbarer Hilfe: mein Taschenmesser! Die Melone schmeckt gut, aber hat nicht den Quantensprung im Vergleich zum aus Deutschland bekannten Produkt, so wie bei den Pfirsichen. Na immerhin.

Während der Pause rufe ich bei der Hotline von drei.at an, um das Internet endlich wieder in Gang zu bringen, was natürlich, seit ich in Italien bin, nicht funktioniert. Der Anruf ist kostenlos, löblich. Ich habe ohnehin nur noch 1 Euro Telefonguthaben auf der Karte nebst meinem Internettarif. Der freundliche Mitarbeiter an der Hotline fragt erst die Standarddinge („Ist das Roaming eingeschaltet?“) ab und beschließt dann, mir eine SMS mit den Einstellungen zu schicken. Und wie ich bereits vermutete, muss der APN (eine schrecklich technische Einstellung im Handy) manuell eingestellt werden. Danach bin in wieder online – perfekt!

Am Hafen und dem Ticketschalter angekommen (bei 87 Kilometern), werde ich von dem jungen Mann erst einmal ungläubig angestarrt. Das ginge gar nicht, Fahrräder sind auf der Insel verboten. Ich wende ein, dass es doch ein Fahrradparkhaus dort gäbe, aber er weiß nur von dem in Mestre. Ich füge hinzu, dass ich das Fahrrad nur schieben will, da gibt er schließlich auf und verkauft mir ein Ticket nach dem Motto: „Wir fahren Sie hin, aber sagen sie bloß nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt“. Ich bin zufrieden. Nachdem ich mein Fahrrad durch die automatische Tür geschoben habe, fällt mir das Portemonnaie herunter und meine vielen Münzen kullern wie im Film in alle Richtungen davon. Mist! Ich sammle, so schnell es geht, das Kleingeld wieder ein. Ein 2-Euro-Stück habe ich noch aus dem Augenwinkel dabei beobachtet, wie es unter einer Trennwand hindurchgerollert ist. Das habe ich gleich mal abgeschrieben. Eine Frau hilft mir beim Einsammeln, so dass ich bald wieder im Besitz meiner finanziellen Kräfte bin. Zum Schluss kommt sogar ein Kind von der anderen Seite der Absperrung mit dem 2-Euro-Stück und drückt es mir in die Hand – ich bin fast gerührt!

Dann kommt die Fähre. Mein Problem ist jedoch, dass ich nicht weiß, wo sie genau hält, nur die Richtung „San Marco“ ist beschrieben. Aus dem Internet weiß ich zumindest, dass sie vorher vermutlich am Lido Venezia hält, einer südlich gelegenen Insel. Auf dem Schiff setzt sich eine ältere Dame neben mich und fragt mich etwas auf Italienisch. Meine Standardausrede „non italiano“ führt zu einem Sprachwechsel auf Englisch und ich bin überrascht und ein wenig beeindruckt. Ich erfahre, dass sie eine „echte“ Venezianerin ist und das erste Mal diese Fähre benutzt und noch ein wenig über die Stadt. Sie erfährt im Gegenzug von meiner Reise, die findet sie ganz wunderbar. Am Lido muss sie allerdings aussteigen, ich fahre weiter. Die nächste Station ist Venedig selbst und da ich nicht weiß, wo die Fähre überall hält, steige ich sicherheitshalber gleich aus.

lAhhh, Venedig! Bei gleißender Sonne wirkt es ein wenig eingestaubt und es laufen so viele Touristen herum… Dank meines Navis arbeite ich mich langsam zum Hotel vor. Jedoch ist in den engen Gassen das GPS trügerisch, so dass ich die – löblich oft ausgewiesenen – Straßennamen abgleichen muss. Mein Weg führt mich sogar über die Rialto-Brücke! Leider kann ich den Augenblick nicht so genießen, da ich das Fahrrad durch die Menschenmassen und abrupt stehenbleibende Passanten tragen muss. Auf den Wegen kann ich es schieben. An einem Café sieht mich eine Kellnerin mit dem Blick „Wieder so ein Bekloppter“ an und murmelt dazu „bici a venezia“. Ich entschuldige mich mit einem „hotel a venezia“ und ihre Miene wird etwas verständnisvoller.

cÜberraschend fix am Hotel angekommen, muss ich noch den Inhaber anrufen, der auch gleich vorbeikommt und mir öffnet. Aber das Fahrrad könnte ich hier nicht unterstellen, es wäre kein Platz. Meine E-Mail mit der Anfrage hat er nicht bekommen. Den Freitext, den ich bei der Reservierung angegeben habe, hat er offenbar auch nicht gelesen. Mit der wortlosen „ich bin nicht überzeugt“-Taktik bewege ich ihn schließlich dazu, einen Platz im Hotel seiner Mutter anzubieten, da ist mehr freie Fläche. Alles eine Mafia! Nachdem ich das Gepäck abgeladen habe, folge ich ihm zum Hotel und stelle das Fahrrad dort ab. Auf dem Weg zurück verlaufe ich mich zwei, drei Mal und komme dann endlich, wirklich an.

Die Route ist hier zu finden http://www.bikemap.net/de/route/398517-route-du-sud/#/z5/46.46813,13.40332/Terrain

Text: +Matthias Niederhausen

Etappe 1 – Ganz gemächlich

Etappe 2 – Höhenprofil wie das EKG eines frisch Wiederbelebten

Etappe 3 – Von verlorenem Trockengut und Filettascherln

Etappe 4 – Spazierfahrt nach Wien

Etappe 4.1 – Über das liebe Internet

Etappe 5 – Auf nach oben!

Etappe 6 – Kernöl, Eier und Schlüsseldienst

Etappe 7 – Auf ins Unbekannte

Etappe 8 – Rastlos in Ljubljana

Etappe 9 – Bella Italia!

Etappe 9.1 – Triest und die Ernährung

Etappe 10 – On the road, again

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