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To Rome With Bike – Etappe 11.1 – Gleißendes Venedig 19. Juli 2013

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To Rome With Bike – Etappe 11.1 – Gleißendes Venedig, Route: Ruhetag in Venedig (1110 Km Gesamt)

oSchon wieder ein Ruhetag? Aber Venedig kann man nicht einfach ignorieren und für mich war es bereits eine ganze Weile die Nummer 1 der Städte, die ich noch sehen möchte. Und eines kann ich schon vorwegnehmen: die Stadt auf dem Wasser hat meine Erwartungen nicht enttäuscht!

Los geht’s kurz vor 8 Uhr, noch bevor in meiner Bleibe das Frühstück serviert wird (8:30). Um diese Zeit ist es noch recht ruhig in Venedig und die Sonne ist noch milde. Vom Bäcker kommt pfeifend ein mit Baguettes schwer beladener Kurier die Straße entlang. Da hier ja keine Fahrzeuge erlaubt sind, wird alles auf Karren oder am Körper transportiert. Das sorgt dann auch für die gesalzenen Lebenshaltungskosten, wie ich vom Hotelbesitzer beim Frühstück ab 8:50 (er hat verschlafen) erfahre. Es gibt wohl nicht mehr so viele Einwohner deswegen und die verbleibenden – wie mein Vermieter – vermieten Teile ihrer Unterkünfte, um das Leben auf der Insel zu finanzieren. Das vergrößerte Angebot dämpft wiederum die Preise – nicht dass ich mich beschweren wollte! Und weil die Tür meines Zimmers gar so quietscht, gebe ich den Scharnieren ein wenig von meinem mitgeführten Kettenöl an, danach schweigen sie schließlich – gern geschehen!

iFür heute habe ich nur einige wenige Pflichtattraktionen auf meiner Liste – etwa den Markusplatz oder die Rialtobrücke – und schlendere hauptsächlich wie gestern durch die Gassen auf der Suche nach schönen Fotomotiven. Davon gibt es in Venedig unzählige, in jeder Ecke gibt es was zu entdecken. Besonders schön finde ich auch die unzähligen Geschäfte mit meisterlicher Handarbeit der unterschiedlichsten Art. Es gibt fantasievolle venezianische Masken, das berühmte Muranoglas in allen Farben und Formen, edle Stoffe und Kissenbezüge, kostbare Antiquitäten, filigrane Schreibwaren, feinstes Papier, kunstvolle Gemälde, wunderbare Backwaren und vieles mehr. Und die Preise schwanken enorm, je nachdem, ob man gerade beispielsweise in der Nähe der Rialtobrücke und des Haupttouristenstroms schwimmt oder sich eher in den stilleren Vierteln der Stadt aufhält. Der von mir ermittelte Eis-Index bewertet die Preisschwankungen anhand des Preises für 2 Kugeln des überall ausgezeichneten Labsals und schwankt zwischen 2,00 und 3,50 Euro. Bevor jetzt jemand aufschreit, dass ja schon die untere Grenze hoch wäre, sei gesagt, dass eine „Kugel“ Eis in Italien (ich verallgemeinere jetzt von Trieste und Venedig) etwa 1,5-2 Kugeln in Deutschland entspricht. Die Verkäufer langen ordentlich rein und legen nicht selten eine zweite Kelle zur „Kugel“ nach.

cAn einer Stelle angekommen, scheint irgendetwas verkehrt und ich brauche einen Moment, bis ich darauf komme: hier fahren Autos lang! Ich bin am „Eingang“ der Insel angekommen, wo Touristen mit dem Auto über eine Brücke bis nach Venedig fahren können – um es dann dort als erstes in einem Parkhaus abzustellen. Tolle Idee, denke ich mir, wie wär’s denn mit Parkplatz auf dem Festland und öffentlichen Verkehrsmitteln stattdessen? Meine Entscheidung, den Tourist-Infopoint zu befragen, wo ich denn genau morgen mit dem Fahrrad mit der Fähre ablegen kann, entpuppt sich als Totalreinfall: Nachdem ich bestimmt 15 Minuten darauf warte, dass mein Vordermann sich die Sehenswürdigkeiten auf einer Karte einzeichnen lässt, kann mir nicht geholfen werden; wo und wie, das solle ich doch beim Bootsbetreiber erfragen. Danke und tschüss! Hier, wo die meisten Touristen sich tummeln, zeigt sich auch die für mich hässlichste Seite von Venedig: viele Stände mit billigsten Souvenirs und völlig überteuertem Essen. Man könnte hier genauso gut in Amsterdam oder Barcelona sein, denn das schöne Flair der anderen Viertel kommt keines auf. Sogar ein McDonalds gibt es, das finde ich aber eher praktisch, denn so kann ich die in Venedig sonst üblichen 1,50 € für den Toilettengang sparen ;)

qBeim gefühlten Komplettdurchlauf durch Venedig (es gibt einfach zu viele interessante Gassen) lerne ich auch ganz ruhige Viertel kennen, wo nicht ein Tourist anzutreffen ist. Die unbarmherzig prallende Sonne vertreibt zudem bis auf ein paar ganz Hartgesottene oder Verirrte (check!) alles Lebendige in die rettenden Häuserschatten. Erst ab 16-17 Uhr wird es wieder erträglich. Wenn sich dann zum Abend die Wege leeren und nur noch die Lichter der Stadt scheinen, kommt Venedigs geheimnisvolle Seite zum Vorschein. Leider kann ich in diese Welt nur ein klein wenig eintauchen, muss ich doch morgen schon wieder weiter auf meinem Weg. Eines steht jedoch am Ende meines Besuchs fest: ich werde noch einmal hierher zurückkehren!

Die Route ist hier zu finden http://www.bikemap.net/de/route/398517-route-du-sud/#/z5/46.46813,13.40332/Terrain

Text und Bilder: +Matthias Niederhausen

Etappe 1 – Ganz gemächlich

Etappe 2 – Höhenprofil wie das EKG eines frisch Wiederbelebten

Etappe 3 – Von verlorenem Trockengut und Filettascherln

Etappe 4 – Spazierfahrt nach Wien

Etappe 4.1 – Über das liebe Internet

Etappe 5 – Auf nach oben!

Etappe 6 – Kernöl, Eier und Schlüsseldienst

Etappe 7 – Auf ins Unbekannte

Etappe 8 – Rastlos in Ljubljana

Etappe 9 – Bella Italia!

Etappe 9.1 – Triest und die Ernährung

Etappe 10 – On the road, again

Etappe 11 – Ahhh, Venedig!

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